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Aug 28

Kürzlich hat der für seine Fachbücher zur Trendtechnologie AJAX bekannte Autor Steffan Mintert eine Umfrage an der Uni Dortmund durchgeführt. Er wollte damit herausfinden, wann eine Webseite als Web 2.0-Angebot wahrgenommen wird. Das Ergebnis überraschte dann doch sehr, denn als kennzeichnend wurden u.a. empfunden:

- das gut sichtbar platzierte Prädikat “beta” Beta

- ein schickes farbenfrohes Logo

- räumlich wirkendes Design und 3-dimensionale Buttons

- die Verwendung von Style Sheets und JavaScript

- Nutzung von Farbverläufen und Transparenz

Man beachte das es Style Sheets schon über 11 Jahre gibt und auch Farbverläufe in den 90er Jahren schon einmal sehr trendy waren. Ist der Begriff Web 2.0 also nichts als eine leere Marketing-Floskel? Ich habe einmal 5 Gründe zusammengetragen die (vielleicht) belegen, dass das “neue” Web eigentlich nicht besser ist als das “alte”.

1. Heutige Internetdienste leben oft durch die Kreativität vieler Leute. Man tauscht auf Flick Fotos aus oder kann bei Wikipedia mit hunderten anderer Leute an einem Artikel arbeiten. Das gab es auch schon vor 10 Jahren. Nur nutze man damals nicht Webangebote sondern schuf sie einfach selbst -ein weitaus kreativerer Prozess. Viele versuchten sich damals an einer eigenen Webseite. Zugegeben, es ist nicht schlimm das viele Anfangswerke – oft Katzen- und Gedichtseiten mit nervigen animierten Bildern – die Jahre nicht überlebten, aber zumindest war man damals mindestens ebenso schöpferisch wie heute. Das “Mitmach-Internet” ist also keine Erfindung unserer Zeit.

2. Professionelle Webangebote hatten eine höhere journalistische Qualität. Als eine Webseite noch Arbeit machte und der Gedanke, dass die ganze Welt die eigenen Worte lesen könnte einem Ehrfurcht einflößte wurden mehr Gedanken an Inhalt verschwendet als heute. Nun wird zwar mehr kommuniziert, dafür geht der Kommunikationsgehalt oft gegen Null. Es ist eben super einfach geworden seine Meinung kund zu tun. Neue Trends wie z.B. Twitter, wo Leute einfach schreiben was sie gerade tun sind das beste Beispiel für den Erfolg leerer Worthülsen.Twitter

3. Im Web 2.0 wird mehr Zeit verschwendet. Es braucht eben Zeit sein virtuelles soziales Netz in Xing, MySpace oder Facebook aufzubauen und zu pflegen. Es dauert, seine Bilder online zu stellen und produktiv ist man nur wirklich selten. War das Internet einmal ein Platz für Informationsbeschaffung, so ist es heute eher ein großer bunter Spielplatz für Erwachsene, mit Musik, Livevideos und jeglichen anderen Formen von Ablenkung und angeschlossenem Verkaufsbasar.

4. Das Web war einmal logischer und begreifbarer. Heutige Internetseiten arbeiten mit wesentlich ausgefeilteren Technologien als vor 10 Jahren, aber die Bedienbarkeit ist nicht besser, im Gegenteil. Hat schon mal einer probiert so eine schicke Webseite mit Flash zu drucken? Geht einfach nicht. Einige Webseiten bringen eine eigene Navigation mit so dass die Vor-/-Zurück-Buttons nicht im Angebot selbst navigieren sondern einen gnadenlos von der Seite wegreissen. Überall prangen Werbebanner die gerade ältere Menschen nicht von redaktionellem Inhalt unterscheiden können. Technologien sollten in erster Linie dem Menschen dienen und ihm nicht neue Paradigmen aufzwingen.

5. Persönliche Daten sind mehr denn je ein Gefahrengut. Mit der Möglichkeit seine Meinung in einem Blog kundzutu, die Familienbilder online zu stellen oder in einer Internet-Petition für jeden sichtbar Name und Anschrift zu hinterlassen wächst die Gefahr von Missbrauch. Wer sichert zu, dass kleine Online-Shops die Daten nicht an Dritte inkl. Kreditkartendaten weiterverkaufen. Was wenn der Chef oder die Urenkel das Bild von der Stundentenparty finden, wo man im Vollrausch nackt auf dem Tisch Pogo getanzt hat? Dem Inernet der neuen Generation fehlt eine wichtige menschliche Eigenschaft: das Vergessen. Und es fehlt das reine Gewissen des Web 1.0, wo Spam-Mails, Trojaner und Exploits noch unbekannt waren.

Antivir


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Ein Kommentar

  1. Just another person on the internet schreibt:

    Wow. Du sprichst mir aus der Seele. Allein schon der Umstand mit dem “Vergessen”. Das wird uns einholen. Was dann passiert weiß ich nicht. Aber es wird uns einholen.
    Ich postuliere hier das erste und letzte mal für eine neue Bewegung (das letzte mal, weil ich mich sonst widerspräche):
    “Die Kunst dem Internet so wenig Input wie möglich zu geben.”

    Der Logiker wird fragen, wo kommt dann der Output her? Da sage ich: Der Input wird bleiben unumkehrbar und wohl für immer. Darüber braucht sich keiner Sorgen zu machen.

    Das ist der Weg:
    “Die Kunst dem Internet so wenig Input wie möglich zu geben.”

    Denkt intensiv darüber nach.
    Ich sag schonmal an dieser Stelle: Lebt wohl! :)

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