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Jul 08

Mit schrecken erinnere ich mich an meine erste Kodak-Digitalkamera aus dem Jahre 2001. Ein richtiger Klotz war das, mit mieser Optik, erbärmlicher Lichtempfindlichkeit und einer Auslöseverzögerung, die den Begriff “Schnappschuss-Kamera” ad absurdum führte. Nun – neun Jahre später – bekommt man schon für 80 EUR eine durchaus brauchbare Knipse an der Supermarktkasse. Was sich über die Jahre jedoch nicht verändert hat ist die Meinung von Fotografen, dass professionelle Ergebnisse stets eine High-End-DSLR wie z.B. die Canon EOS 5D Mark II erfordern. Doch ist das wirklich so?

Lee Morris betriebt unter dem Titel FStoppers eine Webseite, auf welcher sich die Cremè de la Cremé der Fotografen-Zunft über alle Themen rund um das Thema Foto-Shooting austauscht. Er machte ein Experiment um zu beweisen, dass ein gutes Motiv und das richtige Licht wichtiger sind als Megapixel, Dynamic Range und chromatische Aberration der Kamera. Er überlegte, wie er wohl an einer möglichst schlechte Kamera kommen könnte und war schon fast geneigt zu einer Olympus-DSLR zu greifen (warum mögen Fotografen eigentlich diese Marke nie???). Doch dann fiel ihm ein, dass sein Handy – ein iPhone 3GS – vermutlich noch viel miesere Resultate liefern sollte.

Er setzte ein Shooting an, mit einem Makeup Artist und professionellem Model. Dieses staunte nicht schlecht, als er statt seiner gewohnten Kamera das iPhone mittels doppelseitigem Klettband am Stativ befestigte. Mit reichlich Lichttechnik setzte er die Dame in ein gutes Licht und begann mit seiner Arbeit. Unterbrochen wurde er nur ab und zu durch gelegentliche Anrufe auf seiner “Kamera”. Ein Freund retouchierte die Bilder noch in Photoshop nach, dann stellte er sie zur Begutachtung ins Forum, ohne ihre besondere Entstehungsgeschichte zu enthüllen.

Das Resultat: durchweg Begeisterung und Lob für seine gute Arbeit. Niemand ahnte auch nur, dass diese Bilder von einem Handy stammten. Damit war es bewiesen: auch mit einer lausigen Kamera kann man (unter guten Lichtbedingungen) tolle, professionell wirkende Bilder schiessen. Nach der Veröffentlichung eines Videos welches den Zuschauer durch das Shooting begleitet, kommt es zu kontroversen Diskussionen. Er habe tausende Dollar teuere Lichttechnik verwendet und nicht jeder könne sich ein Model mieten. Er hielt dagegen, dass das Model gar kein Geld verlangt habe und man anstatt der teuren Scheinwerfer auch mit ein paar simplen 50$-Baumarkt-Scheinwerfern und einem Bettlaken ein perfektes, softes Licht erzeugen könne.

Wie auch immer – Lee Moris hat der Welt eindrucksvoll bewiesen, dass es am Ende immer noch hauptsächlich auf einen kreativen Geist und einen guten Blick für das Fotomotiv ankommt. Ein Blick auf Flickr scheint diese These zu stützen. Hier gibt es sowohl tausende mit teuer DSLR-Technik aufgenommene Katzenfotos als auch brilliant mit Handy abgelichtete Motive. Beides sicherlich nicht repräsentativ, aber ein Plädoyer dafür, sich seine Kreativität nicht durch technische Grenzen limitieren zu lassen.


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