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Dez 11

Für Online-Leser der Süddeutschen Zeitung gewinnt die Ladenschlussdebatte gerade an neuer Bedeutung. Da muss Süddeutscheman als kritischer Leser auf dem Weg vom Büro nach Hause schon mal stärker auf´s Gaspedal drücken, will man noch rechtzeitig seinen Kommentar zu einem Artikel abgeben. Denn bei www.sueddeutsche.de ist es seit wenigen Tagen nur noch an Wochentagen von 8-19 Uhr möglich, Beiträge zu kommentieren. Die offizielle Erklärung dazu liest sich zunächst wie eine Qualitätsoffensive:

“In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Nutzerkommentare ständig angestiegen. An Wochentagen werden nun rund 2000 Kommentare an sueddeutsche.de geschickt. Auch dieser Wert ist zunächst erfreulich, er zeigt das große Interesse unserer Leser am Austausch.
(…)
In jüngster Zeit mussten wir allerdings feststellen, dass diese zurückhaltende Moderation nicht mehr genügt. Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben. Wir haben uns deshalb entschlossen, in Zukunft stärker moderierend einzugreifen.
(…)
Eine solche intensivere Betreuung erfordert die ständige Präsenz aktiver Moderatoren. Deshalb werden wir die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren. Das bedeutet, dass in dieser Zeit auf sueddeutsche.de keine Kommentare publiziert werden können. Dieser “Freeze“ gilt auch für die Zeit am Wochenende – zwischen Freitag, 19 Uhr, und Montag, 8 Uhr – sowie für Feiertage.”

Ein paar unsinnige Kommentare zuviel sollen also nun dafür sorgen, das kein Leser im Feierabend oder am Wochenende seine Meinung mehr abgeben darf? Das ist unverständlich und sorgte auch gleich für heftige Reaktionen. Entzürnte Leser geben seit Tagen nicht mehr ihre Kommentare zum SüddeutscheWeltgeschehen sondern zu der als “Zensur” aufgefassten Massnahme ab. Unter www.szenso.de hat sich sogar schon ein Protestforum gebildet, in dem außerhalb der Online-Zeitung deren Artikel frei kommentiert werden können.

Damit hat sich die SZ wohl einen ihrer größten PR-Gaus geleistet, heute scheinen die meisten Blogs über dieses Thema zu berichten, z.B. onlinejournalismus.de, stefan-niggemeier.de und basicthinking.de. Die Konkurrenz von der Printpresse steht bestimmt schon in den Startlöchern um morgen ebenso mit vollen Rohren in Richtung Süddeutsche zu schiessen. Die Macht der Nutzer in der Web 2.0-Welt sollte man eben keinesfalls unterschätzen.


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Ein Kommentar

  1. Zensur bei der Süddeutschen - Freiheit für die Kommentare - mobbing-gegner.de blog schreibt:

    [...] http://www.inwit.de/index.php/237/internet-mit-offnungszeiten-suddeutsche-zeitung-entzurnt-online-le... [...]

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