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Mrz 22

Überraschend und erschütternd sind die Ergebnisse einer Studie, welche die Initiative D21 – ein Bündnis aus 200 Unternehmen, Institutionen und politischen Partnern – letzte Woche veröffentlicht hat. Zwar sind knapp 70% der Deutschen online, doch digitale Medien sind nur für ca. ein Viertel der Bevölkerung Teil des täglichen Lebens.

Die mit 35% stärkste Gruppe bilden die Digitalen Aussenseiter – Menschen die nicht oder nur selten das Internet nutzen und für die Begriffe wie E-Mail, Betriebssystem oder Homepage so vielsagend wie die Namen böhmischer Dörfer sind. Nur 7% von ihnen trauen sich zu eine Software zu installieren – und das ist gut so. Denn nur 12% von ihnen haben eine Vorstellung was Viren und Trojaner sind, 76% könnten nicht erklären wofür man ein Passwort braucht. Blog, Chat und Firewall – Begriffe aus einem anderen Universum. Diese Gruppe nimmt schlicht und einfach nicht an der digitalen Welt teil.

Die nächstgrößere Gruppe mit 30% sind Gelegenheitsnutzer. Google bedienen und einen einfachen Text in Word zu tippen ist für sie kein Problem. Aber schon für die Installation eines Programmes brauchen 41% die Hilfe eines Freundes oder Kollegen. Nur 9% von ihnen nutzen das Internet mehr als 2 Stunden täglich und für ihre Arbeit spielt das World Wide Web überhaupt keine Rolle. Wenn sie das Internet zu Hause nutzen, dann um sich über Preise und aktuelle Nachrichten zu informieren. Online spielen, Fotos ins Netz stellen und chatten ist für diese User hingegen kein Thema. Auch fehlt ihnen das Wissen um Sicherheit im Internet.

Etwa 9% der Bevölkerung kann zu den Berufsnutzern gezählt werden. Im Durchschnitt ist so ein Nutzer 42,2 Jahre alt, hat ein überdurchschnittliches Einkommen und lebt mit eigener Familie. Bei E-Mail, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation macht ihnen keiner etwas vor, denn das brauchen sie für ihren Job. Zu Hause geben sie sich mit dem Internet dafür zum großen Teil kaum ab. Neue Trends sind ihnen egal, bestenfalls nutzen sie das Internet um Nachrichten zu lesen oder sich ab und an ein YouTube-Video anzuschauen.

Ganz anders der Trendnutzer, eine Kategorie der sich 11% der Bevölkerung zurechnen lassen. Gekonnt nutzen sie als erste neue Angebote im Internet, besitzen zudem aktuelle Kameras, MP3-Player und Webcams. Ganze 41% von ihnen ist auch mobil online und nicht wenige haben mehr als einen Rechner.  Nicht verwunderlich ist, dass der Männeranteil in dieser Gruppe 78% beträgt und dass sie sich die digitalen Errungenschaften nur aufgrund ihres hohen Haushaltseinkommens (34% verdienen über 2500 €/Monat) leisten können.

Mit 12% etwas häufiger anzutreffen sind die Digitalen Profis. Sie nutzen sowohl privat als auch geschäftlich modernste Technik, sind versiert im Umgang mit dem Internet, kennen sich auch mit Sicherheitsthemen bestens aus und sind aktiv in sozialen Netzwerken. Die Urlaubsbuchung wickeln sie genau wie ihre Überweisungen und die Weihnachtskäufe online ab. Dabei steht der Nutzen jeweils klar im Vordergrund – nicht die Selbstdarstellung oder Zerstreuung.

Dies kann man von der letzten Gruppe, der Digitalen Avantgarde nicht behaupten. Mit 3% machen sie nur einen kleinen Teil der Bevölkerung aus. Sie verbringen im Schnitt 11 Stunden täglich, und damit auch einen großen Teil ihrer Freizeit vor dem Computer.  Viele von ihnen schreiben Blogs, laden Videos auf YouTube hoch, downloaden Musik und spielen auch online. Trotz ihres mit 30,5 Jahren geringen Durchschnittsalters und eines unterdurchschnittlichen Einkommens sind sie technisch bestens ausgestattet und nehmen voll am digitalen Leben teil.

Die Studie läßt einige Schlüsse zu: Der trendbewusste Internet-User wie man ihn in der Werbung ständig sieht ist nicht die Regel, sondern die große Ausnahme. Der überwiegende Teil der Bevölkerung kann (und will auch oft) nicht an der digitalen Medienwelt teilnehmen. Und auch wenn der Sprung ins Internet gelingt, heißt dies noch lange nicht, dass Kompetenz bei Themen wie Computerviren, Verschlüsselung und Passwortschutz vorhanden ist.

Für mich zeigt es auch, dass Computerhersteller und Anbieter von Internet-Diensten die Anfangshürden für neue Kunden weitaus niedriger ansetzen müssen. Denn nicht nur Senioren, auch viele jüngere Internetnutzer sind von der Komplexität der Technik schlicht erschlagen und haben kaum einen Anreiz, sich mit digitalen Themen näher zu beschäftigen. Die vielbeschworene digitale Spaltung ist bereits Realität. Hier muss auf der einen Seite massiv Aufklärungsarbeit betrieben werden, auf der anderen Seite sollte die Wirtschaft viel besser auf die tatsächlichen Wünsche und Bedürfnisse der Kunden eingehen, als sich auf das Erreichen immer neuer technischer Höchstleistungen zu versteifen.

Bilder: via Wikimedia Commons, Some Rights reserved

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