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Mai 10

Als ich Anfang März das erste mal über die Sony DSC-HX5V berichtete schwang kräftig Begeisterung in den Worten mit. Inzwischen besitze ich Sony’s kompakte Point-And-Shoot Waffe bereits über einen Monat und hatte reichlich Gelegenheit, die Vorschusslorbeeren auf ihre Berechtigung zu überprüfen. Gleich vorweg: die Kamera hielt so einige Überraschungen für mich bereit, hier der Bericht.

Videos: Full-HD ja, aber nur theoretisch…

Ein großes Kaufargument für viele – mich eingeschlossen – ist sicher die HD-Fähigkeit der HX5V. Gleich nach dem Auspacken habe ich die Videoqualität in den Einstellungen auf das Maximum (AVCHD, 1920 x 10180/50i) gestellt und meinen ersten Film gedreht. Als ich die Kamera an den Mac anschloss dann die Überraschung: weder iMovie noch iPhoto konnten mit dem Format etwas anfangen und verweigerten den Import. Also die mitgelieferten Programme installiert – auch hier Fehlanzeige, nicht mal eine Fehlermeldung. Also “per Hand” die Datei auf den Rechner kopiert und festgestellt, dass einzig VLC dazu fähig ist, solche Dateien anzuzeigen. Im Gegensatz zur Windows-Welt gibt auch kein kostenfreies Programm , mit dem man dieses Format in etwas brauchbareres umwandeln kann. Und zusätzlich Geld für Software ausgeben wollte ich auch nicht. Blieb nur die Alternative, MP4 als Videoformat einzustellen, wodurch sich die maximale Auflösung auf 1440 x 1080 Bildpunkte reduziert. Jetzt war der Import gar kein Problem mehr.

Nach soviel Kritik jetzt erstmal Lob, die eigentliche Qualität des Videos ist für eine Kompaktkamera wirklich herausragend. Hier habe ich einmal das Konzert einer Schülerband festgehalten.

Das Video wurde mit ca. 10m Abstand aus der Hand aufgenommen. Man sieht sehr gut, wie die Bildstabilisierung für ein ruhiges Bild sorgt. Man kann auch fleißig zoomen, die Kamera fokusiert schnell und gut nach. Bei leiser Umgebung hört man allerdings den Zoom-Motor bzw. das Zurückschnappen des Zoomreglers. Sehr gut finde ich, dass man den Druck auf den Zoomregler dosieren kann, um beispielsweise sehr langsam an ein Objekt heranzufahren. Der Ton ist bei moderater Lautstärke gut, und die Stereowirkung trotz des geringen Abstands der beiden eingebauten Mikros deutlich zu hören. Bei lauten Rock-Konzerten übersteuert der Ton jedoch deutlich, ich werde in den nächsten Tagen mal probieren, ob man das durch einen simplen Streifen Klebeband über den beiden Mikrofonlöchern etwas kompensieren kann.

Auch Aussenaufnahmen gelingen gut, die Kamera passt sich auch bei schnellen Schwenks quasi in Nullzeit den geänderten Helligkeitsbedingungen an. Testweise habe ich die Kamera mit einem Gorilla-Pod an meinem Fahrradlenker befestigt. Hier war die Stabilierung allerdings deutlich überfordert. Durch das sehr geringe Gewicht der Kamera und die ungünstige Anbringung des Stativgewindes am rechten Aussenrand zittert die Kamera zu stark. Handgehalten, bekommt man aber stets gute Resultate. Störend sind allein die Windgeräusche, welche den Ton sehr deutlich überlagern.

In der Nacht kämpft die HX5V wie jede Kompakte mit den Tücken eines kleinen Sensors. Bildrauschen ist deutlich sichtbar und helle Objekte (siehe “Queen-Mary 2″-Schriftzug in folgendem Video) überstrahlen deutlich.

Wer sich wundert, warum die Videos in 720p sind: ich habe nicht herausfinden können, wie man eine mit iMovie geschnittene Aufnahme mit höherer Auflösung exportiert. Der Youtube-Export ist auf 720p beschränkt und im Quicktime-Export kann ich zwar Full-HD einstellen, vermute allerdings aufgrund der Qualität das er 720p stumpf auf Full-HD hochskaliert. Wer für dieses Problem eine Lösung hat, möge sich bitte per Kommentarfunktion bei mir melden.

Bilder – besser als die Realität…

In erster Linie ist die HX5V natürlich eine Fotokamera und in dieser Funktion schlägt sie sich prächtig. Zuerst war ich skeptisch, weil bei meiner bisherigen Kamera – einer Olympus E-420 – die Nachbearbeitung der Bilder zur Standardprozedur gehörte, die neue Sony jedoch keinen RAW-Modus besitzt. Kann das gut gehen? Es kann! Von allen Kamera die ich je besessen habe, ist die HX5V mit weitem Abstand die intelligenteste. Wer möchte kann gern Belichtung, Blende und Fokuspunkt einstellen, nach kurzer Zeit wird man jedoch nur noch die Automatik verwenden. Diese erkennt automatisch die Situation (Makro, Gegenlicht, Nachtaufnahme, Gesichter im Bild etc.), zeigt den daraus automatisch bestimmten Modus an und schoss in meinem Test wirklich ausnahmslos fabelhafte Bilder.

Sony DSC-HX5V Testbild, Aussenaufnahme (zum Vergrößern klicken)

Sony DSC-HX5V Testbild, Aussenaufnahme (zum Vergrößern klicken)

Im Gegensatz zu vielen anderen Kompaktkameras versucht die Kamera nicht zwanghaft, bei wenig Licht die Szene “totzublitzen”, wählt stattdessen (soweit möglich) den Modus “Handgehalten bei Dämmerung”, wo in Sekundenbruchteilen 6 Bilder geschossen und zu einem (dann rauschfreien) Bild zusammengerechnet werden. Vorbildlich! Bei Gegenlicht ist die HDR-Funktion sehr nützlich, sie arbeitet jedoch ziemlich behutsam und erzeugt keine synthetisch wirkenden Bilder wie man sie oft in HDR-Foren findet. Unbedingt Erwähnung finden muss die hohe Geschwindigkeit bei allen Funktionen. Nach dem Einschalten ist die Kamera in ca. 1 Sekunde betriebsbereit, der Fokus ist rasend schnell und die Serienbildfunktion schiesst Bilderserien  in atemberaubendem Tempo.

Mit einer auf auf Kleinbild umgerechneten Brennweite von 25-250 mm deckt die HX5V das komplette Spektrum von Weitwinkel bis Telezoom ab. Gerade den Weitwinkel will ich nicht mehr missen. Bedingt durch die schmale Bauform kommt es hier jedoch gerade in den Randbereichen des Bildes zu Verzeichnungen, das Problem der “stürzenden Linien” sieht man besonders bei Gebäuden, deren vertkale Kanten sich nach außen hin immer mehr neigen. Gegen dieses Problem ist noch kein Kraut gewachsen, theoretisch lässt es sich jedoch mit Software entfernen. Das neue Photoshop CS 5 von Adobe hat beispielsweise eine solche Funktion. Beachtlich ist die hohe Tiefenschärfenwirkung, die bei dieser geringen Sensorgröße so nicht zu erwarten wäre.

Sony DSC-HX5V Testbild, geringer Zoom - hohe Tiefenschärfe (zum Vergrößern klicken)

Sony DSC-HX5V Testbild, geringer Zoom - hohe Tiefenschärfe (zum Vergrößern klicken)

Bei hoher Zoomstufe macht sich die eingebaute Bildstabilisierung bemerkbar, verwackelte Bilder waren nie ein Problem. Noch ein Wort zur Bedienung. Die Kamera wurde sehr intelligent designed, am Gehäuse finden sich neben den üblichen Knöpfen und Reglern ein paar sehr nützliche Sondertasten. Eine führt direkt in die Bilderansicht, eine andere startet augenblicklich die Videoaufnahme. Hier kann man den Begriff Point-And-Shot wörtlich nehmen. Praktisch auch, dass man mit nur einem Tastendruck zwischen Einzelbild und Serienmodus wechseln kann.

Sony DSC-HX5V Testbild, Makro (zum Vergrößern klicken)

Sony DSC-HX5V Testbild, Makro (zum Vergrößern klicken)

Alle weiteren Funktionen befinden sich in einem (nicht immer intuitiven) Bildmenü. Die verschiedenen Aufnahmemodi (also z.B. Automatik, Anti-Bewegungsunschärfe, Video etc.) sind über ein Wählrad an der Oberseite schnell zugänglich. Wie gesagt, die Automatik funktioniert super, für spezielle Motive (Strandszenen, Feuerwerk, Tiere, Speisen, Dämmerungsportrait etc.) gibt  es im Modus “Szenenwahl” die passenden Voreinstellungen.

Sehr gut umgesetzt ist der Panorama-Modus. Musste man früher noch mehrere Aufnahmen mühevoll zusammenstückeln, reicht nun ein einfacher Rundumschwenk. Die Qualität bewegt sich dabei im Rahmen von Videoaufnahmen, erstaunt war ich, dass die HX5V kaum ein Problem mit bewegten Objekten im Bild hat.

Sony DSC-HX5V Testbild, Panorama (zum Vergrößern klicken)

Sony DSC-HX5V Testbild, Panorama (zum Vergrößern klicken)

Fazit

Auch wenn ich gerade in Bezug auf das Videoformat anfänglich Schwierigkeiten hatte, bin ich insgesamt von der Kamera begeistert. Man darf sich nicht der Illusion hingeben, sie könnte an die Qualität einer Spiegelreflex-Kamera heranreichen, irgendwo setzt die Physik den Möglichkeiten eine Grenze. Bezogen auf ihre ultra-kompakten Abmessungen ist die HX5V aber eine fantastische Kamera mit aussergewöhnlich gutem Preis/Leistungsverhältnis und  - sicherlich am wichtigsten – einer überragend guten Bildqualität. Ich habe in Elektromärkten auch viele andere Kameras getestet und für einen Kauf in Betracht gezogen. Insgesamt gibt es jedoch meines Erachtens keine bessere Kamera in dieser Preiskategorie.


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2 Kommentare

  1. Robert schreibt:

    Hallo,

    ich habe die Kamera jetzt auch bekommen! Ich habe mich durch die vielen besonders positiven Tests zu einem Kauf hinreißen lassen.

    Leider muss ich sagen das ich es sehr enttäuschend finde das Sony nicht in der Lage ist ein vernünftiges Formart für Mac-User zu erstellen das sollte man doch eigentlich in der Preis-klasse erwarten dürfen.

    Wenn ich die Full-HD Videofunktion teste und mir dann den Film/Clip auf meinem Mac ansehen möchte geht das nur über ein relativ komplizierten Weg und dazu kommt noch das ich den Clip nur mit VLC sehen kann!?

    Dann der Schock…. ich gucke mir den Full-HD Clip an, ich traue meinen Augen nicht da macht mein Handy ja bessere Videos. Voller Frust über diese inkompetente Leistung mache ich mich auf zu meinem Windows Pc schließe dort die Kamera an und siehe da ich bin begeistert von der Qualität.

    Wie kann das sein? Gibt es eine Möglichkeit oder gar ein Up-date für die Kamera das solch ein Problem behoben werden kann? Werde ich von Sony in der Wahl meines Betriebssystems etwa vorsätzlich eingeschränkt?

  2. Matthias schreibt:

    Hallo,

    sehr schöner Testbericht!

    Hast du denn eine Lösung für das übersteuern bei lauten Konzerten?
    Ich suche nämlich eine Kamera für hauptsächlich diesen Zweck und bin auch von der Bildqualität sehr begeistert, möchte aber nicht unbedingt den Ton separat aufnehmen müssen.

    Freu mich über jeden Tip !

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